Stadtkirche St. Nikolaus

Als gotische Kirche erbaut um 1400,
Zerstörung im 30-jährigen Krieg,
Wiederaufbau 1652,
nach 1700 barocke Turmhaube und Umgestaltung des Innenraums.



Adressdaten


Daten & Fakten


  • Baujahr: 1400 und 1652
  • Baustile: spätgotisch, barock
  • Besonderheiten: barocke Innenausstattung, Grablage der Gemahlin August des Starken, barocke Turmhaube
  • Öffnungszeiten Sommer: täglich von 10-12 und 14 bis 16 Uhr.
  • Öffnungszeiten Winter: auf anfrage

Profil


verlässlich geöffnet - Wir führen das Signet "Verlässlich geöffnete Kirche". Gottesdienst - Bei uns findet regelmäßig Gottesdienst statt. Führungen - Wir bieten auf Nachfrage Führungen an. Kirchenführer - Wir bieten einen gedruckten Kirchenführer. Rad- oder Wanderweg - Wir liegen an einem Rad-/wanderweg. Trinkwasser - Bei uns gibt es Trinkwasser in der Nähe.

Beschreibung


Zum Namenstag des Hl. Nikolaus von Myra (4. Jahrh.), der als Schutzpatron aller zu Wasser Reisenden gilt, am 6. Dezember 1652, wurde die Stadtkirche wieder eingeweiht.
Der Vorgängerbau, vermutlich eine dreischiffige gotische Hallenkirche, war während der schweren Belagerung im Dreißigjährigen Krieg 1637 zerstört worden.
In den Neubau wurden die Umfassungsmauern mit den Spitzbogen-fenstern und der Triumphbogen mit einbezogen. Es entstand eine schlichte, balkengedeckte Saalkirche mit rechteckigem Chorabschluss. Der neue Grundherr Wolf Christoph von Arnim und zehn Offiziere stifteten Altar und Kanzel. Beides wurde vom Dresdener Bildhauer Johann Georg Kretzschmar in Sandstein geschaffen. Wesentliche Teile hob er durch Vergoldungen hervor. Der Altar zeigt das Abendmahl und Gethsemane, seitlich die vier Evangelisten, darüber den auferstandenen sieghaften Christus.
Knapp fünfzig Jahre später, 1696, zog die Gemahlin August des Starken, die Kurfürstin von Sachsen Christiane Eberhardine auf Schloss Pretzsch ein. Sie war eine Markgrafentochter aus Bayreuth, aus dem Hause Hohenzollern. Wegen ihrer tiefen Frömmigkeit und bewusst evangelischen Gesinnung wurde sie in der Kirchengeschichtsschreibung jener Zeit die „Betsäule Sachsens“ genannt. So stand sie im Kontrast zum üppigen Leben ihres Gemahls am Dresdener Hof. Die Überlieferung vermeldet, dass sie sich der Feierlichkeiten zur Königskrönung August des Starken in Krakau, derentwillen er zum katholischen Glauben übertreten musste, versagt habe. In einem Gottesdienst in unserer Kirche ließ sie statt eines machtvollen Tedeums Josua Stegmanns Lied „Ach bleib mit deiner Gnade“ anstimmen. Sie war eine treue Besucherin der Gottesdienste und förderte den Gemeindegesang durch ein auf ihre Veranlassung herausgegebenes Gesangbuch.
Die Kirche ließ sie 1720 barock umgestalten und zog dazu den damals bedeutendsten Baumeister Sachsens, Matthäus Daniel Pöppelmann, heran. Sein Name steht für die vielen Prunkbauten, die sich August in und um Dresden errichten
ließ (Zwinger, Schloss Pillnitz, Schloss Moritzburg u.a.). In unserer Kirche zeugen von ihm die Saaldecke mit den Wappen und dem großangelegten Monogramm KCE, die kunstvolle Draperie am Fenster der Fürstenloge und der Turmhelm aus Eichenholz mit der Wetterfahne von 1736.
Zu den festgefügten barocken Hoheitszeichen kommen noch die privaten Stiftungen von Christiane Eberhardine, die auch heute eine Zierde unseres Gotteshauses sind. Als sie am 5. September 1727 erst 56-jährig starb, fand sie neben der Kanzel ihre letzte Ruhestätte, die auf ihren Wunsch sehr schlicht gestaltet wurde.
Zwei hufeisenförmige Emporen umgeben das Innere der Kirche. Ein Umgang über dem Altarraum verbindet das Archiv mit der Loge, die jetzt als Winterkirche dient.
Beim Betreten der Kirche fallen zwei große Gemälde auf: links, über dem Eingang zur Sakristei „Die Kreuzigung Jesu“, 1720 von David Hoyer in Leipzig gemalt und von Christiane Eberhardine gestiftet. Rechts, über dem Grab, „Die Auferstehung Jesu“, 1856 von Friedrich Olivier (Nazarener Malschule) gemalt, ein Geschenk einer Pretzscher Familie.
Über dem Altar leuchten zwei bunte Fenster, die den dornengekrönten und den auferstandenen Christus zeigen. Den Taufstein vor dem Altar hat der Pretzscher Bildhauer Reinhold Schügner angefertigt.
Neben dem Eberhardinengrab sieht man das Epitaph des Kirchenerbauers Wolf Christoph von Arnim und seiner Gemahlin Katharina geb. von Hoym, die im Mittelgang ihre Grabstätte haben. Vier Grabdenkmale unter der hinteren Empore stehen ebenfalls für Angehörige dieser Familie.
Die Orgel, eine mechanische Schleifladenorgel mit 21 Registern, schuf Moritz Baumgarten aus Zahna im Jahr 1846.
Das Innere der Kirche ist 1977/78, das Äußere 1991 bis 1993 mit Hilfe und Beratung des Instituts für Denkmalpflege
Halle restauriert worden. Viel dankbar erfahrene Hilfe geschah durch Pretzscher Bürger und Gemeindeglieder.
Zur Kirchengemeinde gehören neben Pretzsch die Orte Priesitz, Sachau, Merschwitz und Körbin. Der für die Pfarrstelle Bad Schmiedeberg-Pretzsch zuständige Pfarrer hat seinen Dienstsitz in Bad Schmiedeberg.