29.01.2026
Erstes Kennenlerntreffen zur Kirche Kunterbunt
Beim Betreten der Glaubenskirche am Montagabend wurde jeder Besucher begrüßt und gebeten, ein Geldstück zu nehmen und damit aus einem Kaugummiautomaten einen Kaugummmi zu ziehen.
Hat man seine Wunschfarbe bekommen? Ein ungewöhnlicher Anfang für ein Treffen, das eine ungewöhnliche Art von Kirche vorstellte: die Kirche Kunterbunt.
Die Kirche Kunterbunt ist ein Konzept, das sich aus der englischen Messy Church ableitet: Kirche wird hier neu gedacht, mit einem niedrigschwelligen Konzept für alle Generationen und Menschen – auch Menschen, die bisher noch nie mit Kirche in Berührung kamen. Um dies zu erreichen, soll die Kirche Kunterbunt gastfreundlich, generationenübergreifend, kreativ, fröhlich-feiernd und Christus zentriert sein. Auch der Sonntag ist nicht festgelegt als Veranstaltungstag – auch jeder andere Tag der Woche wäre möglich. Es gibt einen offiziellen Beginn, aber jede und jeder kann kommen und gehen, wie man es gut schafft. In Deutschland ist sie zudem meistens ökumenisch und wird mit evangelisch-freikirchlichen oder katholischen Gemeinden gemeinsam organisiert.
“Besonders ist auch, dass die Kirche Kunterbunt nicht in einer Kirche stattfinden muss. Jeder große Raum eignet sich dafür, vielleicht ein Dorfgemeinschaftraum, eine Kita oder sogar Großraumzelte auf Freiflächen”, erklärt Guido Merten, Kreisreferent für die Arbeit mit Kindern und Familien. Gleichzeitig ist er auch mit einer halben Stelle Gemeindepädagoge im Kirchspiel Dobien. Hier will er die Kirche Kunterbunt organisieren, noch in diesem Jahr.
Um Haupt- und Ehrenamtliche zu finden, die Kirche Kunterbunt in ihrer Gemeinde umsetzen möchten, hat er das Konzept in der Glaubenskirche vorgestellt. Der Ablauf ist immer gleich: Es gibt eine Willkommenszeit, danach eine Kreativzeit mit Stationsarbeit, dann eine Feierzeit und zum Schluss eine Essenszeit. Der Beginn mit dem Kaugummiautomaten gehörte daher schon dazu.
Nach einer kurzen Begrüßung startete die Stationsarbeit. Bei diesem schon ausgearbeiteten Thema sind bis zu 11 Stationen möglich, in der Glaubenskirche waren vier aufgebaut. Mit Lego durften man sich eine eigene Welt zusammenbauen, bei einer Station einen Keks zerbrechen und nach der japanischen Kintsugi-Kunst mit Zuckerguss und Streuseln wieder flicken. Zwei andere Stationen regten an, über sich selbst und Gott nachzudenken. Dabei ist wichtig, dass die Stationen ein Angebot sind, das angenommen werden kann, aber nicht muss. In der Glaubenskirche bildeten sich nach den ersten Minuten Stationsarbeit Gesprächsgruppen abseits davon – auch das gehört zur Kirche Kunterbunt dazu.
Nach der Stationsarbeit kamen alle wieder zusammen zur Feierzeit. Hier wurde erneut der Kaugummiautomat aufgegriffen für einen Impuls mit dem Thema, dass Gott kein Automat ist, in den man etwas hineinsteckt und etwas herausbekommt, sondern Beziehung. Dadurch ist Veränderung möglich. Nach diesem Impuls, einem Kaugummi-Gebet und einem Kratzbild-Segen ging es weiter zur Essenszeit und damit dem offenen Abschluss der Kirche Kunterbunt.
Die Kirche Kunterbunt gehört zum Erprobungsraum der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Mittlerweile gibt es über 400 Gemeinden in Deutschland, die sie regelmäßig anbieten. Wer bei der Kirche Kunterbunt im Kirchenkreis Wittenberg mitwirken möchte, kann sich bei Diakon Guido Merten (guido.merten@ekmd.de) melden. Nähere Informationen zur Kirche Kunterbunt gibt es unter www.kirche-kunterbunt.de