01.12.2025
"Ich finde es spannend, mit vielen unterschiedlichen Themen in Kontakt zu kommen."

Silva Hentschel (55) aus Dautzschen ist Gemeindekirchenratsvorsitzende und engagiert sich ehrenamtlich sehr stark in ihrer Gemeinde. Mit Andrea Schulze hat sie über ihre Aufgaben als GKR-Vorsitzende gesprochen sowie über ihre Herzensprojekte in der Gemeinde.

Schulze: Wie lange engagieren Sie sich schon im Gemeindekirchenrat?

Hentschel: Ich bin seit zwölf Jahre dabei. Die ersten Jahre habe ich nur als Zuhörerin fungiert, um das System Kirche zu verstehen. Bei der Wahl 2019 habe ich mich dann wieder aufstellen lassen und wurde auch zur Vorsitzenden gewählt. Das bleibe ich jetzt auch nach dieser Wahl.

Schulze: Was macht Ihnen Spaß an der ehrenamtlichen Arbeit?

Hentschel: Ich liebe es, Kirche zu gestalten, aktiv zu sein, mich einzubringen, meine Ideen umzusetzen.

Schulze: Gab es irgendein Projekt, was Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Hentschel: Ich möchte das weiterführen, was meine Vorgänger hier so wunderbar angestoßen haben. Zu Corona-Zeiten war es außerdem sehr berührend zu erleben, wie die offene Kirche angenommen worden ist. Es ist mir ein großes Anliegen, Leben in die Kirche zu bringen und sie zu öffnen, thematisch zu gestalten, mit Spielen, mit Angeboten, mit Bastelangeboten, mit Musik, sodass die Gemeindeglieder den Raum für sich erkunden können. Diese Überraschungskirche, die es damals unter Almuth Heinze als Erprobungsraum gab, ist mir auch in guter Erinnerung geblieben.

Schulze: Was ist eine Überraschungskirche?

Hentschel: Das ist ein Projekt im Rahmen der Kirche Kunterbunt gewesen. Es war ein Erprobungsraum, der über fünf Jahre von der Landeskirche bezuschusst worden ist. Fünfmal im Jahr, immer sonntags, gab es über den Mittag ein Angebot für alle Altersgruppen zu einem bestimmten Thema, zum Beispiel „Einzug in Jerusalem“ oder „Brot und Wein“. Das Thema wurde mit unterschiedlichen Methoden umgesetzt und es gab auch thematisch passendes Essen und Trinken. Bei der Überraschungskirche konnte Kirche sozusagen mit allen Sinnen erlebt werden.

Schulze: Das klingt, als wäre das ein sehr schönes Projekt gewesen. Was sind denn die aktuellen Projekte bei Ihnen?

Hentschel: Ich habe dieses Jahr zum Erntedankfest eine Kinderkirche ins Leben gerufen. Das ist ein Herzensprojekt von mir. Bei der ersten Kinderkirche hatte ich 17 Kinder dabei, das war richtig schön! Es waren auch fast alles Dautzschener Kinder. Das vom Gemeindekirchenrat geplante Familienfest im Anschluss an den Erntedankgottesdienst war auch ein voller Erfolg.

Schulze: Es klingt auf jeden Fall nach einer lebendigen Gemeinde hier. Es hat aber ja nicht alles im Gemeindekirchenrat direkt mit den Menschen zu tun. Gibt es auch bauliche Projekte, die Ihnen am Herzen liegen?

Hentschel: Das Neueste, über das ich mich im baulichen Bereich gefreut habe, sind neue Feuerlöscher für alle Gebäude und die wunderschöne, neue Kirchentür für die Dautzschener Kirche. Die Friedhofsmauer wurde fertig saniert. Und die Pfarrwohnung ist ein großer Punkt auf meiner Aufgabenliste. Das Pfarrhaus ist so schön und die Wohnung darin auch. Die wird jetzt renoviert und saniert und danach soll sie vermietet werden. Jetzt bräuchten wir eigentlich auch eine Heizung für die Sakristei, in der ich die Kinderkirche anbiete. Für den Kirchenraum haben wir einen Heizstrahler, aber für die Sakristei wäre eine Infrarotheizung besser.

Schulze: Auch baulich haben Sie also viele Themen zu bearbeiten. Wahrscheinlich auch Themen, mit denen Sie sonst nie in Berührung gekommen wären?

Hentschel: Ja, die größte Herausforderung ist für mich, in vielen Bereichen kein Fachmann zu sein und sich daher auf Leute verlassen zu müssen. Baumpflegearbeiten zum Beispiel, oder wie kann ich am besten eine Sakristei heizen? Wie geht man mit dem Kot von Fledermäusen um? Wie saniert man ein Pfarrhaus? Bei den Fragen müssen mir dann Fachleute weiterhelfen. Für mich als Erzieherin ist das eben Neuland. Aber ich finde es spannend, mit so vielen unterschiedlichen Themen in Kontakt zu kommen.

Schulze: Haben Sie sich denn in einigen Themen weiterbilden lassen für Ihre ehrenamtliche Arbeit?

Hentschel: Der Kirchenkreis hat mir einen Leitungskurs in themenzentrierter Interaktion finanziert, darüber bin ich sehr dankbar. Im Prinzip leitet uns das Thema bei der themenzentrierten Interaktion und ich moderiere, damit wir im Gemeindekirchenrat dann entweder zu der Entscheidung kommen, einen Beschluss zu fassen oder zu sagen, dass die Informationen nicht für einen Beschluss reichen.

Schulze: Das hilft wahrscheinlich sehr bei den Sitzungen.

Hentschel: Ja, sehr. Ich mag das Klima unserer Sitzungen. Es ist sehr ruhig, sehr ausgeglichen, sehr sachlich, das ist schön konstruktiv. Es geht hintereinander weg, so dass wir die Tagesordnung normalerweise in 2 Stunden abhandeln können und nicht ewig brauchen.

Schulze: Lassen Sie sich auch wieder als Synodale verpflichten für die neue Legislaturperiode?

Hentschel: Ich habe mich zumindest aufgestellt für die Wahl, aber ich weiß noch nicht, ob ich gewählt worden bin.

Schulze: Was haben Sie als Synodale in den letzten sechs Jahren gemacht?

Hentschel: Ich bin die letzten sechs Jahre in der Visitationskommission gewesen. Ich finde es spannend, auch zu schauen, was andere machen. Welche Themen sind in anderen Gemeinden gerade aktuell? Was für Projekte werden umgesetzt? Das interessiert mich an dieser Arbeit, dafür investiere ich auch gern meine Freizeit.

Schulze: Man merkt Ihnen die Freude an ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit auch an. Vielen Dank für das schöne Interview!